Was ist Fieber?
Fieber ist eine natürliche, meist hilfreiche Abwehrreaktion des Körpers auf von außen einwirkende oder innerlich freigesetzte spezielle Stoffe (Pyrogene). Dabei wird im Thermoregulationszentrum des Gehirns ein neuer, über dem physiologischen Normbereich liegender „Sollwert“ eingestellt. Der Anstieg der Körpertemperatur wird durch eine Engstellung von Blutgefäßen in der Körperperipherie (Vasokonstriktion) und durch Muskelzittern erreicht.
Das bedeutet, Fieber ist keine Krankheit und nicht grundsätzlich behandlungsbedürftig.
Anzeichen für Fieber
Woran erkenne ich Fieber bei meinem Tier?
Ein Tier mit Fieber wirkt oft:
- schlapp oder müde
- frisst weniger oder gar nicht
- zittert oder sucht Wärme
- hat eine warme Nase oder heiße Ohren (kein sicherer Fiebernachweis!)
- zeigt schnellere Atmung oder Herzschlag
Die einzig zuverlässige Methode ist das Fiebermessen mit einem Thermometer – am besten rektal.
Fieber messen
Die Körpertemperatur ist ein zentraler Parameter zur Einschätzung des Gesundheitszustands eines Tieres. Besonders bei unspezifischen Symptomen wie Apathie, Appetitlosigkeit oder verändertem Verhalten ist eine Temperaturkontrolle oft der erste diagnostische Schritt.
Normalwerte der Körpertemperatur
- Hund: 37,5 °C bis 39,0 °C
- Katze: 38,0 °C bis 39,3 °C
Alles über ca. 39,5 °C gilt als Fieber.
Methoden zur Temperaturmessung
Rektale Messung (klassisch mit Digitalthermometer):
Dabei wird das Thermometer vorsichtig in das Rektum (After) eingeführt, meist 1–2 cm tief (bei Katzen etwas weniger). Um Schmerzen und Abwehrreaktionen zu verhindern, muss das Thermometer, bevor es in den Enddarm eingeführt wird, gut gleitfähig (Öl) gemacht werden. Nach ca. 20–60 Sekunden kann der Wert abgelesen werden. Das ist die übliche Methode in der Tiermedizin, da die rektale Temperatur der inneren Körperkerntemperatur sehr nahekommt.
Nachteilig ist der mit der Messung eventuell verbundene Stress bei sensiblen Tieren.
Infrarotthermometer (aurikulär = im Ohr oder kontaktlos = Stirn, Flanke etc.):
Dabei erfolgt die Temperaturmessung über die Strahlungswärme des Körpers (z. B. Trommelfell oder Hautoberfläche). Das Ergebnis liegt in wenigen Sekunden vor. Diese Methode ist also schnell, einfach und kaum mit Stress bei den Tieren verbunden.
Nachteilig dabei ist jedoch, dass diese Methode deutlich ungenauer als die rektale Messung ist.
Ergebnisse sind stark abhängig von:
- der Position des Thermometers
- der Umgebungstemperatur
- der Fellbeschaffenheit und Pigmentierung
- der Durchblutung der gemessenen Region
- Die Ohrtemperatur korreliert besonders bei kleinen Tieren, Entzündungen im Ohr oder schlecht platziertem Sensor nicht zuverlässig mit der rektalen Temperatur.
Vergleich der Genauigkeit
Messmethode | Genauigkeit | Schwankungsbreite | Anwendbarkeit im Alltag |
Rektale Messung | Hoch (± 0,1 °C) | Gering | Standardmethode in Praxis und Klinik |
Infrarot (Ohr) | Mittel bis niedrig | ± 0,5 – 1,0 °C | Für Zuhause nur eingeschränkt geeignet |
Infrarot (kontaktlos) | Niedrig bis unzuverlässig | > ± 1,0 °C | Nicht empfohlen zur medizinischen Bewertung |
Studien zeigen (Abbildung), dass Infrarotthermometer bei Hund und Katze die Körperkerntemperatur oft deutlich unter- oder überschätzen. Bei hoher Umgebungstemperatur kann z. B. eine falsche Normaltemperatur vorgetäuscht werden. Die rektale Temperaturmessung bleibt die zuverlässigste Methode zur Bestimmung der Körpertemperatur bei Hund und Katze. Infrarotthermometer können unterstützend genutzt werden, sind aber nicht verlässlich genug für die tiermedizinische Diagnostik. Für den Hausgebrauch können Infrarotthermometer, obwohl sie nicht so genau sind, alternativ eingesetzt werden können.
Abbildung: Vergleich der Genauigkeit verschiedener Temperatur-Messmethoden (x-Achse) zwischen rektaler (digital) und infraroten Messmethoden am Ohr oder kontaktlos an anderen Körperregionen
Durchschnittliche Abweichung zur Körperkerntemperatur (y-Achse)
Es wird deutlich, dass die rektale Messung die geringste Abweichung und damit die höchste Zuverlässigkeit aufweist. Infrarotmethoden – insbesondere kontaktlose – sind deutlich ungenauer.
Mein Hund hat Fieber
Fieber ist ein sehr unspezifisches Symptom. Liegt Fieber vor, ist es wichtig, den Allgemeinzustand des Tieres zu beurteilen. Sind weitere Symptome vorhanden?
Wie:
- Schmerzen
- Appetitlosigkeit
- Abgeschlagenheit
- Auffälligkeiten an der Haut oder den Schleimhäuten
- Erhöhung der Atemfrequenz (schnelle, flache Atmung)
Davon ist abhängig, ob das Tier sofort einem Tierarzt oder einer Tierärztin vorgestellt werden sollte oder ob noch etwas abgewartet werden kann und Sie Ihr Tier eventuell nur mit Hausmitteln unterstützen. Jungtiere, sehr alte Tiere und Tiere mit Vorerkrankungen sind besonders sorgfältig zu kontrollieren.
Wenn Sie abwarten möchten, messen Sie mehrmals täglich die Körpertemperatur und notieren Sie sich die Werte (Fiebertagebuch). So behalten Sie den Überblick und erkennen einen negativen Trend sofort.
Hausmittel und Erste Hilfe
Hausmittel können bei einer abwartenden Haltung (leichtes Fieber ohne zusätzliche Beschwerden) hilfreich sein. Auch während einer tierärztlichen Behandlung können sie unterstützend wirken.
Dazu zählen:
Frisches Trinkwasser anbieten
- Fieber führt oft zu Flüssigkeitsverlust. Achten Sie auf eine ausreichende Wasseraufnahme.
- Bei Appetitlosigkeit kann auch etwas Brühe (ungesalzen, ohne Zwiebeln!) zum Wasser gegeben werden, um das Tier zum Trinken zu motivieren.
Ruhe und Stressreduktion
- Tiere mit Fieber sollten sich ausruhen können.
- Vermeiden Sie Hektik, hohe Temperaturen und körperliche Belastung.
Kühle Liegefläche bereitstellen
- Besonders im Sommer hilft ein kühler Boden (z. B. Fliesen, Gelmatte).
- Tiere suchen meist instinktiv einen angenehm kühlen Platz auf.
Leichtes Abkühlen bei sehr hohem Fieber (>40 °C)
Nur in Absprache mit dem Tierarzt!
- Bei Hunden: feuchtes Tuch über die Pfoten oder Innenschenkel legen
- Nicht den ganzen Körper nass machen! Kein Eiswasser verwenden!
- Bei Katzen ist Kühlung schwieriger – sie reagieren oft gestresst. Lieber indirekt kühlen (z. B. Raumtemperatur senken)
Was sollte man NICHT tun?
- Keinesfalls sollten Medikamente aus der Humanmedizin verwendet werden. Aufgrund unterschiedlicher Stoffwechselvorgänge zwischen Menschen, Hunden und Katzen können nicht tierartgerechte Medikamente zu schweren, auch tödlich verlaufenden Vergiftungen führen.
→ Paracetamol, Ibuprofen oder Aspirin sind giftig für Tiere! - Keine Wadenwickel oder Alkoholumschläge wie beim Menschen – das verursacht mehr Stress und ist daher wenig hilfreich.
- Nicht auf Hausmittel allein vertrauen, wenn das Fieber hoch ist (>39,5 °C) oder länger als 2 bis 3 Tage anhält.
- Die Diagnose und Behandlung der Ursache (z. B. Infektion, Entzündung, Parasiten) gehört immer in tierärztliche Hand.
.
Fiebersenkung - wann und warum?
Nicht immer ist eine fiebersenkende Behandlung sinnvoll
Fieber ist keine Krankheit, sondern eine natürliche Reaktion des Körpers, zum Beispiel zur Abwehr von Infektionen. Es unterstützt das Immunsystem dabei, Krankheitserreger wie Viren, Bakterien oder Parasiten zu bekämpfen. Daher ist es nicht immer sinnvoll, das Fieber sofort zu senken.
Warum Fieber manchmal nützlich ist:
- Höhere Temperaturen hemmen das Wachstum von Erregern
- Das Immunsystem wird effektiver aktiviert
- Fieber signalisiert, dass der Körper aktiv gegen eine Ursache kämpft
Wann sollte man NICHT fiebersenkende Medikamente geben?
- Bei mäßigem Fieber (bis ca. 40 °C) und ohne dass eine deutliche Beeinträchtigung des Wohlbefindens vorliegt
- Wenn die Ursache noch unklar ist – fiebersenkende Mittel können Symptome verschleiern und die Diagnose erschweren
- Ohne tierärztliche Rücksprache – viele Medikamente sind nicht für Tiere geeignet oder erfordern eine genaue Dosierung
Wann ist eine Fiebersenkung sinnvoll?
- Bei hohem Fieber über 40–40,5 °C, das den Kreislauf belastet
- Wenn das Tier apathisch, sehr schwach oder gefährdet ist (z. B. bei jungen, alten oder vorerkrankten Tieren)
- Begleitend zur tierärztlichen Behandlung der Ursache (z. B. bei Infektionen mit Antibiotika oder Entzündungshemmern)
Eine gezielte Behandlung der Ursache ist immer wichtiger als die bloße Senkung der Temperatur.
Fieber sollte nicht automatisch unterdrückt, sondern sorgfältig beurteilt werden – am besten in Absprache mit dem Tierarzt.
Einsatz fiebersenkender Mittel
Ein vorbeugender Einsatz von fiebersenkenden Medikamenten ist unsinnig und kann zu Schäden führen.
Fiebersenkende Medikamente bei Hunden
Bei Hunden können in bestimmten Fällen fiebersenkende und entzündungshemmende Medikamente aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antiphlogistika (NSAIDs) eingesetzt werden. Häufig verwendete Wirkstoffe sind:
- Metamizol (Novalgin®) – fiebersenkend und schmerzlindernd, oft als Injektion oder Tropfen
- Carprofen, Meloxicam, Firocoxib – entzündungshemmend und leicht fiebersenkend
Diese Medikamente dürfen nur nach tierärztlicher Untersuchung und Dosierung verabreicht werden. Sie sind nicht für den freien Einsatz durch Tierhalter gedacht!
Fiebersenkende Medikamente bei Katzen
Katzen sind gegenüber vielen Medikamenten besonders empfindlich. Es kommen nur sehr wenige fiebersenkende Substanzen infrage:
- Metamizol (in der richtigen Dosierung) kann bei Katzen unter tierärztlicher Kontrolle verwendet werden.
- Andere NSAIDs wie Meloxicam sind nur unter strenger Beachtung der Dosierung und Dauer sicher einsetzbar.
Auf keinen Fall dürfen Medikamente für Menschen verabreicht werden – Paracetamol oder Ibuprofen sind für Katzen hochgiftig!
Wann zum Tierarzt?
Ist das Allgemeinbefinden gestört oder sind weitere Symptome (siehe oben) vorhanden, sollte tierärztlicher Rat eingeholt werden. Hält das Fieber länger als drei Tage an, sollte auch bei ungestörtem Allgemeinbefinden das Tier einem Tierarzt oder einer Tierärztin vorgestellt werden. Auch bei hohem Fieber ist ein sofortiger Tierarztbesuch angezeigt. Ebenso sollte bei sehr jungen, alte oder chronisch kranken Tieren nicht abgewartet werden, sondern es sollte zeitnah eine professionelle Diagnostik erfolgen.
Zusammenfassung, wann sofort zum Tierarzt:
- Fieber länger als 2–3 Tage
- Temperatur über 39,5 °C
- Apathie, Zittern, Atemnot, Appetitlosigkeit
- Sehr junge, alte oder chronisch kranke Tiere
Wann ist Fieber ein Notfall?
- Sehr hohes Fieber
- Hund oder Katze mit > 40,5 °C (insbesondere, wenn der Wert steigt oder sich nicht durch Schonung und Kühlung senken lässt)
- Bei > 41 °C besteht Gefahr für Organschäden, Gerinnungsstörungen und Kreislaufversagen.
- Schwere Störung des Allgemeinbefindens
- Apathie, kaum Ansprechbarkeit, Schwäche, Kreislaufkollaps
- Neurologische Symptome wie Zittern, Krämpfe, Gleichgewichtsstörungen
- Stark beschleunigte Atmung oder Atemnot
- Blasses, graues oder bläuliches Zahnfleisch
- Begleitende Notfallsymptome
- Anhaltendes Erbrechen oder blutiger Durchfall
- Deutliche Dehydratation (eingefallene Augen, stehende Hautfalte)
- Unstillbare Blutungen oder punktförmige Blutungen in der Haut/Schleimhaut
- Neurologische Ausfälle (Desorientierung, Krampfanfälle)
- Verdacht auf akute Auslöser:
- Schwere Infektionen (z. B. Pyometra, Sepsis, Parvovirose, FIP)
- Vergiftungen
- Akute Entzündungen innerer Organe (z. B. Pankreatitis)
Die Therapie in der Tiermedizin
- Kausale Behandlung: gezielt je nach zugrunde liegender Ursache
- Antibiotika: bei Nachweis oder starkem Verdacht auf bakterielle Infektion (rationaler Einsatz!)
- Fiebersenkende Medikamente (Antipyretika/Nicht-steroidale Antiphlogistika. NSAIDs, z. B. Metamizol, Meloxicam): Nur wenn nötig und unter tierärztlicher Kontrolle
- Infusionstherapie: Wenn das Tier dehydriert ist (Exsikkose) oder eine Kreislaufschwäche vorliegt
- Monitoring der Körpertemperatur und des Allgemeinbefindens
- Schonung und Pflege: Ruhe, frisches Wasser, gutes Raumklima
Zusammenfassung
- Fieber ist ein Symptom, keine Krankheit. Fieber ist ein Zeichen, dass das Immunsystem arbeitet.
- Die Messung mit einem digitalen Thermometer im Enddarm ist am zuverlässigsten.
- Bei Fieber und gleichzeitig vorhandenen weiteren Symptomen sollte das Tier sofort einem Tierarzt vorgestellt werden.
- Eine alleinige „Fiebersenkung“ ohne Behandlung der Ursache kann gefährlich sein.
- Die richtige Therapie hängt immer von der Ursache ab (z. B. Infektion, Entzündung, Tumor, Autoimmunerkrankung).
- Keine Selbstmedikation ohne tierärztliche Diagnose
- Niemals Medikamente aus der Humanmedizin geben
Das einzelne Symptom ist völlig unspezifisch, doch in Kombination mit anderen Symptomen kann es relevant sein und zur Diagnose der Ursache beitragen. Nutzen Sie unseren kostenlosen Symptom-Checker oder fragen Sie unseren Chatbot Petsi.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
- Wie merke ich, ob mein Tier Fieber hat?
Fieber zeigt sich oft durch Apathie, Appetitlosigkeit, Zittern oder eine warme Nase. Sicher feststellen lässt es sich aber nur durch rektales Messen mit einem Thermometer. - Ab wann hat mein Hund oder meine Katze Fieber?
- Hund: ab etwa 39,5 °C
- Katze: ab etwa 39,3–39,5 °C
Alles darüber gilt als fieberhaft und sollte tierärztlich kontrolliert werden.
- Kann ich meinem Tier fiebersenkende Medikamente aus der Hausapotheke geben?
Nein! Medikamente wie Paracetamol oder Ibuprofen sind für Tiere giftig. Geben Sie niemals Medikamente ohne tierärztliche Rücksprache. Vom Tierarzt verschriebene Mittel wie Metamizol oder Meloxicam (richtig dosiert!) sind zur Fiebersenkung geeignet – und auch nur bei Bedarf. - Was kann ich zu Hause tun, wenn mein Tier Fieber hat?
Frisches Wasser, Ruhe und ein kühler Liegeplatz helfen unterstützend. Bei anhaltendem Fieber oder starkem Unwohlsein bitte immer eine Tierarztpraxis aufsuchen. - Muss Fieber immer behandelt werden?
Nicht unbedingt. Fieber ist eine sinnvolle Abwehrreaktion des Körpers. Eine Behandlung ist vorrangig dann notwendig, wenn die Temperatur sehr hoch ist (> 40–40,5 °C), das Tier geschwächt wirkt oder eine ernsthafte Erkrankung vorliegt.
6. Wie kann ich zu Hause Fieber messen?
Die zuverlässigste Methode ist die rektale Messung mit einem Digitalthermometer. Infrarotgeräte (z. B. im Ohr oder kontaktlos) sind deutlich ungenauer und eher zur groben Orientierung geeignet.
7. Wann sollte ich mit meinem Tier zum Tierarzt?
Wenn das Fieber …
- über 39,5 °C liegt
- länger als 2–3 Tage anhält
- mit anderen Symptomen (Apathie, Zittern, Atemnot) einhergeht
- oder das Tier jung, alt oder chronisch krank ist – dann ist ein Tierarztbesuch unbedingt ratsam.
Literaturverzeichnis
Literaturquellen
- https://www.tfa-wissen.de/kontaktloses-fiebermessen-unzuverlaessig-bei-hund-und-katze
- Nutt, K. R., Levy, J. K., & Tucker, S. J. (2016). Comparison of non-contact infrared thermometry and rectal thermometry in cats. Journal of Feline Medicine and Surgery, 18(10), 798-803.
- Kreissl, H., & Neiger, R. (2015). Measurement of body temperature in 300 dogs with a novel noncontact infrared thermometer on the cornea in comparison to a standard rectal digital thermometer. Journal of Veterinary Emergency and Critical Care, 25(3), 372-378.