Vena-Cave-cranialis-Syndrom beim Hund

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Definition

Das Vena-Cava-cranialis-Syndrom ist beim Hund selten, kann jedoch eine schwerwiegende und potenziell lebensbedrohliche Erkrankung sein. Es entsteht, wenn der Blutfluss durch die Vena cava cranialis erheblich behindert wird.

Die kraniale Hohlvene transportiert das venöse Blut aus Kopf, Hals, Vorderbeinen und Teilen des Brustkorbs zum rechten Herzen. Wird dieser Blutstrom behindert, steigt der venöse Druck vor der Engstelle. Charakteristisch sind dadurch Schwellungen insbesondere an Kopf und Hals, die sich auf Brustbereich und Vorderbeine ausdehnen können.

Das Syndrom ist keine eigenständige Grunderkrankung, sondern eine Folge einer anderen Erkrankung oder einer Gefäßveränderung.

Beim Vena-Cava-cranialis-Syndrom ist der Blutfluss durch die Vena cava cranialis zum rechten Vorhof teilweise oder vollständig behindert.

Ursache kann eine Verlegung innerhalb des Gefäßes, beispielsweise durch einen Thrombus, eine Einengung von außen oder das Einwachsen einer Neubildung in das Gefäß sein.

Aufgrund des behinderten venösen Rückstroms steigt der hydrostatische Druck in den zuführenden Venen. Flüssigkeit tritt in das umliegende Gewebe aus. Dadurch entstehen vor allem Ödeme am Kopf und am Hals sowie an den Vorderbeinen. Zusätzlich kann sich Flüssigkeit in der Brusthöhle ansammeln.

 

Das Wichtigste auf einen Blick

Das Vena-Cava-cranialis-Syndrom ist beim Hund selten, aber potenziell lebensbedrohlich. Durch eine Verengung oder einen Verschluss der großen Vene, die das Blut aus Kopf, Hals und Vorderbeinen zum Herzen zurückführt, staut sich das Blut vor der Engstelle. Besonders typisch sind Schwellungen von Kopf und Hals, die sich auf den Brustbereich und die Vorderbeine ausdehnen können. Häufig treten Atembeschwerden, beschleunigte Atmung, Schwäche und verminderte Belastbarkeit auf.

Ursachen können insbesondere Blutgerinnsel (Thrombosen) oder Tumoren im Brustkorb sein. Bei Atemnot, rasch zunehmenden Schwellungen, deutlicher Schwäche oder Zusammenbrechen muss der Hund sofort tierärztlich untersucht werden. Die Behandlung und Prognose hängen wesentlich von der zugrunde liegenden Ursache ab.

Ursachen

Zu den wichtigsten Ursachen gehören:

  • Thrombose der Vena cava cranialis
  • Tumoren im vorderen Mediastinum
  • Lymphome
  • Thymome
  • andere Tumoren des Brustkorbs, die die Vene komprimieren oder infiltrieren
  • entzündliche oder infektiöse Raumforderungen im Mediastinum
  • Thrombosen im Zusammenhang mit zentralvenösen Kathetern
  • Thrombosen nach Implantation transvenöser Herzschrittmacher
  • schwere systemische Erkrankungen mit erhöhter Thromboseneigung

Zu den beschriebenen Risikofaktoren für eine Thrombose der Vena cava cranialis gehören unter anderem Sepsis, immunvermittelte Erkrankungen, Proteinverlust über die Nieren, Tumorerkrankungen und Herzerkrankungen.

Auch zentralvenöse Katheter oder intravasale Schrittmacherelektroden können die Thrombusbildung begünstigen.

Wichtig: Das Vena-Cava-cranialis-Syndrom darf nicht mit dem sogenannten Caval-Syndrom bei Herzwurmerkrankung gleichgesetzt werden. Beim Caval-Syndrom gelangen zahlreiche Herzwürmer retrograd in das rechte Herz und die großen Venen. Pathogenese und klinisches Krankheitsbild unterscheiden sich vom hier beschriebenen Vena-Cava-cranialis-Syndrom.

Symptome

Diagnose

Die Kombination aus Schwellungen von Kopf, Hals und gegebenenfalls den Vorderbeinen mit Atembeschwerden kann bereits einen wichtigen Hinweis geben.

Die weitere Diagnostik dient zwei Zielen:

  1. Nachweis und Lokalisation der Abflussbehinderung
  2. Feststellung der zugrunde liegenden Erkrankung

Zu den möglichen Untersuchungen gehören:

Klinische Untersuchung:
Beurteilt werden insbesondere die Verteilung und das Ausmaß der Schwellungen, die Atmung, der Kreislauf sowie sichtbare beziehungsweise erweiterte Halsvenen.

Ultraschalluntersuchung:
Mit Ultraschall lassen sich Thromben in zugänglichen Abschnitten der großen Venen sowie Pleuraergüsse und teilweise mediastinale Veränderungen darstellen.

Röntgenuntersuchung des Brustkorbs:
Sie kann Pleuraergüsse, mediastinale Raumforderungen sowie Veränderungen an Herz und Lunge erkennen.

Echokardiografie:
Sie ist insbesondere bei Verdacht auf eine kardiale Ursache oder bei Ausdehnung eines Thrombus bis ins rechte Herz wichtig.

Computertomografie mit Kontrastmittel:
Die CT-Angiografie kann Lage und Ausmaß einer Gefäßobstruktion sowie mediastinale Tumoren, Gefäßinvasionen und Kollateralgefäße besonders detailliert darstellen.

Laboruntersuchungen:
Blutbild, klinisch-chemische Untersuchungen, Gerinnungsdiagnostik sowie weitere Untersuchungen richten sich nach der vermuteten Grunderkrankung.

Bei Verdacht auf einen Tumor können zytologische oder histologische Untersuchungen erforderlich sein.

Therapie

Die Behandlung richtet sich in erster Linie nach der Ursache der Abflussbehinderung und dem klinischen Zustand des Hundes.

Bei ausgeprägter Atemnot oder Kreislaufbeeinträchtigung steht zunächst die Stabilisierung im Vordergrund. Stress sollte möglichst vermieden werden.

Besteht ein relevanter Pleuraerguss, kann eine Punktion der Brusthöhle erforderlich sein, um die Atmung zu erleichtern.

Bei einer Thrombose kommen, abhängig von Ursache, Ausdehnung und Blutungsrisiko, antithrombotische Medikamente infrage. Die Behandlung muss individuell festgelegt werden.

Ist ein zentralvenöser Katheter oder eine Schrittmacherelektrode an der Entstehung beteiligt, muss geprüft werden, ob und wie das betreffende System entfernt oder modifiziert werden kann.

Bei einer tumorbedingten Kompression oder Invasion richtet sich die Behandlung nach Art und Ausdehnung des Tumors. Je nach Befund können chirurgische Entfernung, Chemotherapie, Strahlentherapie oder palliative Maßnahmen infrage kommen.

Einzelne Berichte zeigen, dass eine chirurgische Behandlung möglich sein kann, etwa bei operablen mediastinalen Tumoren. Eine solche Entscheidung setzt jedoch eine genaue bildgebende Beurteilung voraus.

Prognose und Nachsorge

Die Prognose hängt entscheidend von der Ursache ab.

Bei einer behandelbaren lokalen Ursache kann eine deutliche Besserung möglich sein. Langsam entstehende Gefäßverschlüsse können teilweise durch die Ausbildung von Kollateralgefäßen kompensiert werden.

Bei einer ausgeprägten Thrombose der Vena cava cranialis ist die Prognose dagegen vorsichtig bis schlecht. In einer retrospektiven Untersuchung starben 15 von 17 Hunden mit Thrombose der Vena cava cranialis oder wurden innerhalb von 20 Tagen nach Auftreten der klinischen Symptome euthanasiert. Diese Daten stammen allerdings aus einer kleinen Fallserie und dürfen nicht ohne Weiteres auf sämtliche Ursachen des Vena-Cava-cranialis-Syndroms übertragen werden.

Nach der Behandlung sind regelmäßige Kontrollen erforderlich. Je nach Ursache können dazu klinische Untersuchungen, Ultraschall, Echokardiografie, CT-Untersuchungen sowie Kontrollen des Blutbilds und der Gerinnung gehören.

Tierhalter sollten insbesondere auf erneute Schwellungen, Atembeschwerden, reduzierte Belastbarkeit oder Schwäche achten.

Prävention

Eine generelle Vorbeugung ist nicht möglich, da das Syndrom durch sehr unterschiedliche Erkrankungen entstehen kann.

Das Risiko einer Thrombose kann jedoch reduziert werden, indem bekannte thrombogene Grunderkrankungen erkannt und angemessen behandelt werden.

Bei zentralvenösen Kathetern sollte regelmäßig geprüft werden, ob sie weiterhin erforderlich sind. Nicht mehr benötigte Katheter sollten entfernt werden.

Bei Hunden mit mehreren Risikofaktoren für Thrombosen kann individuell geprüft werden, ob eine antithrombotische Prophylaxe sinnvoll ist. Eine routinemäßige prophylaktische Behandlung jedes Hundes mit einem intravenösen Katheter ist aufgrund der derzeitigen Datenlage nicht gerechtfertigt.

Ausblick auf aktuelle Forschung

Das Vena-Cava-cranialis-Syndrom ist beim Hund selten, sodass die veterinärmedizinische Evidenz überwiegend aus kleinen retrospektiven Fallserien und einzelnen Fallberichten stammt.

Ein wichtiger Forschungsbereich ist die bessere Identifikation von Hunden mit erhöhtem Thromboserisiko. Dazu gehören insbesondere Tiere mit schweren Entzündungen oder Sepsis, Proteinverlust über die Nieren, immunvermittelten Erkrankungen, Tumorerkrankungen sowie intravasalen Kathetern oder Schrittmacherelektroden.

Neuere bildgebende Verfahren, insbesondere die CT-Angiografie, ermöglichen eine immer genauere Darstellung von Gefäßverschluss, Tumorinvasion und Kollateralgefäßen.

Weitere Untersuchungen sind notwendig, um festzustellen, welche Hunde von einer vorbeugenden antithrombotischen Behandlung profitieren und welche Therapie bei bereits bestehender Thrombose die besten Langzeitergebnisse liefert.

Häufig gestellte Fragen (FAQs)

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