Die aktuelle Forschung zu Mundkrebs beim Hund (Plattenepithelkarzinom am Zahnfleisch) arbeitet im Grunde an drei Baustellen: bessere Behandlungen vor Ort, genauere Diagnosen und neue, gezielt wirkende Medikamente. Bei den lokalen Behandlungen kommen schonendere Verfahren hinzu, etwa die Elektrochemotherapie. Dabei wird ein Tumor mit einem geringen Stromimpuls und einem Krebsmedikament behandelt, damit das Medikament besser in die Krebszellen eindringen kann. Studien prüfen derzeit, wie gut das bei bereits in die Kieferknochen eingewachsenen Tumoren funktioniert und ob die Kombination mit Bestrahlung zusätzliche Vorteile bietet.
Für die Diagnostik geht es darum, Metastasen in Lymphknoten zuverlässig zu erkennen oder auszuschließen. Hier setzt man auf das Konzept des sogenannten Wächterlymphknotens: Das ist der erste Lymphknoten, in den Krebszellen von der Tumorstelle aus abwandern würden. Er wird mit einer kleinen Menge Markierungssubstanz aufgespürt und während der Operation gezielt untersucht. So lässt sich besser entscheiden, ob und wie weit Lymphknoten mitbehandelt werden müssen – unnötige Eingriffe können vermieden, notwendige jedoch rechtzeitig durchgeführt werden.
Auf der Ebene der molekularen Zielstrukturen versuchen Forscher herauszufinden, welche Schalter in Krebszellen das Zellwachstum antreiben. Beim Hund werden unter anderem EGFR, COX-2, p53 und PD-L1 genauer untersucht. Die Hoffnung besteht darauf, Medikamente gezielt gegen solche Schalter richten zu können, ähnlich wie es aus der Humanmedizin bekannt ist. Ob das wirkt und sicher ist, müssen gut geplante Studien zeigen, bevor solche Therapien in die Routine kommen.
Spannend sind zudem neue Möglichkeiten, den Krankheitsverlauf zu überwachen. Dazu gehören Bluttests auf frei zirkulierende Tumor-DNA (oft auch als Liquid Biopsy bezeichnet). Ziel ist es, Rückfälle früher zu erkennen oder das Ansprechen auf eine Behandlung zeitnah zu beurteilen, ohne dass jedes Mal große Eingriffe oder aufwendige Bildgebung erforderlich sind. Auch die digitale Auswertung von Gewebeproben mithilfe von künstlicher Intelligenz wird erprobt. Sie könnte zum Beispiel dabei helfen, Operationsränder noch verlässlicher als „tumorfrei“ oder „nicht tumorfrei“ zu beurteilen.
Schließlich rückt die Lebensqualität der Hunde stärker in den Mittelpunkt. Dafür werden standardisierte Fragebögen und Bewertungsskalen entwickelt, die speziell nach größeren Kieferoperationen eingesetzt werden. Abgefragt werden unter anderem das Fressverhalten, Schmerzen, das Sozialverhalten und die langfristige Anpassung im Alltag. Solche Daten, ergänzt durch Rückmeldungen der Besitzenden, sollen Tierärztinnen und Tierärzten helfen, Behandlungswege noch individueller und wirklich am Wohl des einzelnen Tieres ausgerichtet zu planen.