Viele Tierhalter möchten ihren Vierbeinern etwas Gutes tun und greifen zu Ergänzungsfuttermitteln. Doch nicht jedes Produkt ist wirklich notwendig – und manche sind nur in bestimmten Situationen sinnvoll. Ob Gelenke, Haut, Verdauung oder Senioren: Entscheidend sind immer die richtige Indikation, die Qualität der Präparate und eine sinnvolle Dosierung.
Hier finden Sie eine ausführlichere Übersicht darüber, welche Ergänzungen in der Tiermedizin wirklich eine Rolle spielen, sowie einen nach Krankheitsbildern sortierten Überblick.
In einem 2. Beitrag sind Orientierungswerte zu Wirkstoffen und Dosierungen von Nahrungsergänzungsmitteln für Hunde und Katzen kurz in Tabellenform zusammengefasst. Es ist wichtig, dass es sich dabei nicht um individuelle Therapieanweisungen handeln kann. Eine konkrete Dosierung muss immer an eine Diagnose, das übliche Futter, eventuelle Begleitmedikation und die individuelle Organfunktion angepasst werden.
Hier vorab eine kompakte Empfehlungsliste nach Krankheitsbildern
Nahrungsergänzungsmittel bei Arthrose/Gelenkschmerzen (Hund und Katze)
- Omega-3-Fettsäuren (EPA/DHA)
→ Basis-Ergänzung bei chronischen Gelenkerkrankungen. - Glucosamin + Chondroitin/Grünlippmuschel/MSM
→ Gelenkpaket, sinnvoll als Langzeitunterstützung. - Antioxidantien (Vitamin E, ggf. C)
→ Bei stark entzündlichen Verläufen erwägenswert.
Nahrungsergänzungsmittel bei Atopie/Juckreiz/Haut- und Fellproblemen
- Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren
→ Standard bei Atopie und trockener Haut. - Biotin + Zink + B-Vitamine
→ Bei Haut-/Fellmängeln, Rekonvaleszenz.
Nahrungsergänzungsmittel bei akutem oder chronischem Durchfall, IBD
- Probiotika (Enterococcus faecium, Lactobacillus spp.)
→ Akuter Durchfall, antibiotikaassoziiert, chronische GI-Probleme. - Präbiotika (FOS, MOS, Inulin)
→ Langfristige Darmflora-Stabilisierung. - Ballaststoffe (Flohsamenschalen etc.)
→ Kolitis, weicher Kot, Analbeutelprobleme – langsam einschleichen.
Nahrungsergänzungsmittel bei Lebererkrankungen
- SAMe + Silymarin (Mariendistel) + Vitamin E
→ Standard-Leberunterstützung bei chronischen Hepatitiden, erhöhten Leberwerten.
Nahrungsergänzungsmittel bei chronischer Nierenerkrankung (CKD)
- Phosphatbinder
→ Bei erhöhtem Phosphat oder fortgeschrittener CKD. - Omega-3-Fettsäuren
→ Unterstützend bei Proteinurie/CKD. - B-Komplex
→ Ausgleich erhöhter renaler Verluste.
Nahrungsergänzungsmittel bei Herzkrankheiten (DCM, HCM – immer mit Diagnostik)
- Taurin (v. a. Katze, bestimmte Hunderassen)
→ Bei nachgewiesenem Mangel/entsprechendem Verdacht. - L-Carnitin
→ Ergänzend bei DCM-Fällen. - Omega-3-Fettsäuren
→ Unterstützend kardioprotektiv.
Nahrungsergänzungsmittel bei Senioren (Geriatrie, kognitive Dysfunktion, „altes Tier“)
- Antioxidantien (Vitamin E/C, Selen)
→ Allgemein für geriatrische Patienten. - Omega-3-Fettsäuren (v. a. DHA)
→ Kognitive Dysfunktion, allgemeine Entzündungsmodulation. - B-Vitamine, L-Carnitin, Phosphatidylserin
→ „Gehirn- und Energiestoffwechsel“-Unterstützung.
Nahrungsergänzungsmittel bei Stress, Angst, Unruhe
- L-Tryptophan
→ Für leicht erhöhte Reizbarkeit/Stress. - Alpha-Casozepin (Milchprotein-Hydrolysat)
→ Leichte bis moderate Angst-/Stresslage. - Pflanzenextrakte (Baldrian, Passionsblume etc.)
→ Ergänzend, v. a. in Kombipräparaten.
(immer nur begleitend zu Training/Verhaltenstherapie.)
Nahrungsergänzungsmittel bei Wachstum/Junghunden/Jungkatzen (v. a. bei BARF/gekocht)
- Mineralstoff- und Vitaminergänzer
→ Ca/P, Vitamin D, Spurenelemente bei nicht bedarfsdeckenden Rationen.
(Rationsberechnung ist hier wichtig, keine Schätzungen!)
Katzenspezifische Nahrungsergänzungsmittel
- Taurin
→ Pflicht bei selbst gekochter/BARF-Ration. - FLUTD/FIC: GAGs, Omega-3-Fettsäuren, ggf. Cranberry
→ Nur ergänzend zu adäquatem Diätfutter und Stressmanagement. - Haarballen: Malzpaste, Faserergänzer
→ Bei Neigung zu Haarballen, v. a. Langhaar-Katzen.
„Trend“-Produkte (nur sehr gezielt)
- CBD, diverse „Superfoods“ (Kurkuma, Spirulina etc.)
→ Zurückhaltend einsetzen, Qualitäts- und Rechtslage beachten, Interaktionen bedenken.
Grundsätzlich gilt:
Nahrungsergänzungsmittel ergänzen eine Therapie und diätetische Maßnahmen, sie ersetzen sie nicht.
Dosierung, Interaktionen und Kontraindikationen sollten immer am individuellen Patienten und an der Gesamtfütterung ausgerichtet werden.