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Netzhautablösung bei Hunden (Ablatio retinae)
- Synonyme: Amotio retinae
- Vorkommen: seltener
- Krankheitsort: Kopf/Hals
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Definition
Die Ablatio retinae, auch als Netzhautablösung bezeichnet, ist ein ernst zu nehmender pathologischer Zustand des Auges, bei dem sich die Netzhaut (Retina) von ihrer darunterliegenden Versorgungsschicht, dem retinalen Pigmentepithel (RPE), ablöst. Die Netzhaut ist eine lichtempfindliche Gewebeschicht am hinteren Teil des Auges, die für die Umwandlung von Lichtreizen in elektrische Signale verantwortlich ist, die anschließend über den Sehnerv an das Gehirn weitergeleitet werden. Bei Hunden und Katzen ist die Netzhautablösung im Vergleich zum Menschen seltener, stellt jedoch einen ophthalmologischen Notfall dar, der eine sofortige tierärztliche Intervention erfordert.
Das Wichtigste auf einen Blick
Die Ablatio retinae, auch Netzhautablösung genannt, ist ein ernsthafter Zustand, bei dem sich die Netzhaut vom darunterliegenden Pigmentepithel löst, was zu Sehverlust bis hin zur Erblindung führen kann. Sie kann durch verschiedene Ursachen ausgelöst werden, darunter systemische Erkrankungen wie Hypertonie, Traumata, entzündliche Prozesse oder erbliche Faktoren.
Die Symptome umfassen Verhaltensänderungen, die auf Sehbeeinträchtigungen hindeuten, etwa Unsicherheit beim Bewegen, beim Anstoßen an Gegenstände oder veränderte Pupillenreaktionen. Die Diagnose erfolgt durch ophthalmologische Untersuchungen, Ultraschall, Elektroretinografie und gegebenenfalls OCT.
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und umfasst konservative Maßnahmen wie die Therapie der Grunderkrankung sowie chirurgische Eingriffe wie Vitrektomie und Retinopexie. Die Prognose hängt stark vom Zeitpunkt der Diagnose und der Behandlung ab; eine frühe Intervention liefert die besten Ergebnisse.
Die Nachsorge umfasst regelmäßige Kontrolluntersuchungen, die fortgesetzte Behandlung der Grunderkrankungen und gegebenenfalls Anpassungen der Umgebung bei Sehverlust. Trotz der Schwere der Erkrankung können viele Tiere mit angemessener Behandlung und Pflege eine gute Lebensqualität erreichen, auch wenn ein gewisser Sehverlust bestehen bleibt.
Ursachen
- Trauma oder Verletzungen des Auges
- Schwere entzündliche Erkrankungen des Auges
- Degenerative Veränderungen im Auge
- Erhöhter Augeninnendruck (Glaukom)
- Genetische Prädisposition bei einigen Rassen
Anatomisch betrachtet besteht die Netzhaut aus mehreren Schichten, wobei die äußerste Schicht die Fotorezeptoren (Stäbchen und Zapfen) enthält. Diese sind für die eigentliche Lichtwahrnehmung zuständig. Bei einer Ablösung wird die Verbindung zwischen der Netzhaut und dem Pigmentepithel unterbrochen, wodurch die Versorgung der Fotorezeptoren mit Sauerstoff und Nährstoffen beeinträchtigt wird. Ohne diese lebenswichtige Versorgung beginnen die Fotorezeptoren innerhalb weniger Stunden abzusterben, was zu dauerhaften Sehstörungen bis hin zur Erblindung führen kann.
Die Ursachen für eine Netzhautablösung bei Tieren sind vielfältig und können in verschiedene Kategorien eingeteilt werden:
Rhegmatogene Ablatio retinae
Diese Form entsteht durch einen Riss in der Netzhaut, durch den Flüssigkeit aus dem Glaskörperraum in den subretinalen Raum eindringen kann. Auslöser können Traumata, degenerative Veränderungen des Glaskörpers oder spontane Risse sein. Bei älteren Tieren können altersbedingte Veränderungen des Glaskörpers zu Zugkräften führen, die Netzhautrisse verursachen.
Exsudative (seröse) Ablatio retinae
Bei dieser Form sammelt sich Flüssigkeit zwischen Netzhaut und Pigmentepithel an, ohne dass ein Riss vorliegt. Ursächlich sind häufig entzündliche Prozesse, Gefäßveränderungen oder systemische Erkrankungen. Besonders systemische Hypertonie, die oft mit Nierenerkrankungen, Hyperthyreose oder Hyperadrenokortizismus einhergeht, ist ein bedeutender Risikofaktor. Auch Tumore, Abszesse oder vaskuläre Störungen können zu exsudativen Ablösungen führen.
Traktive Ablatio retinae
Diese Form entsteht durch Zugkräfte, die auf die Netzhaut wirken. Fibrovaskuläre Membranen oder Narbengewebe, die sich auf der Netzhautoberfläche bilden, können die Netzhaut mechanisch verziehen und schließlich ablösen. Häufig tritt dies im Zusammenhang mit proliferativen Retinopathien oder schweren intraokulären Entzündungen auf.
Kongenitale oder erbliche Faktoren
Bestimmte Hunderassen zeigen eine genetische Prädisposition für Netzhauterkrankungen, die Ablösungen verursachen können. Dazu gehören Collie Eye Anomaly (CEA), progressive Retinaatrophie (PRA) und andere erbliche Retinopathien. Besonders anfällige Rassen sind unter anderem Collies, Shelties, Labrador Retriever, Golden Retriever und Cavalier King Charles Spaniel.
Systemische Erkrankungen
Verschiedene systemische Erkrankungen können sekundär zu Netzhautablösungen führen. Dazu gehören Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Nierenerkrankungen, Hyperthyreose (besonders bei Katzen), Hyperadrenokortizismus und verschiedene Autoimmunerkrankungen. Diese Grunderkrankungen führen oft zu Veränderungen der Blutgefäße oder zu Entzündungsreaktionen, die die Integrität der Netzhaut beeinträchtigen können.
Symptome
Die Symptome einer Netzhautablösung können je nach Ausmaß und Lokalisation variieren. Da Tiere ihre Sehprobleme nicht direkt kommunizieren können, ist es für Tierhalter wichtig, auf Verhaltensänderungen zu achten, die auf eine Sehbeeinträchtigung hindeuten könnten.
Bei einer partiellen Netzhautablösung zeigen betroffene Tiere oft subtile Anzeichen wie leichte Unsicherheit in unbekannter Umgebung oder beim Treppensteigen. Sie können auch vermehrt gegen Gegenstände stoßen, besonders wenn diese sich in ihrem peripheren Sichtfeld befinden. Manche Tiere wirken ängstlicher oder zurückhaltender als gewöhnlich, weil sie ihre Umgebung nicht mehr vollständig wahrnehmen können.
Bei fortgeschrittenen oder vollständigen Ablösungen werden die Symptome deutlicher. Die Tiere können plötzlich Schwierigkeiten haben, sich zu orientieren, bekannte Wege zu finden oder auf Bewegungen zu reagieren. Sie bewegen sich vorsichtiger, mit erhobenem Kopf, und können beim Abspringen aus erhöhten Positionen zögern. Häufig ist auch ein verstärktes Blinzeln oder eine erhöhte Lichtempfindlichkeit zu beobachten.
Ophthalmologisch können bei manchen Tieren erweiterte Pupillen (Mydriasis) auffallen, die nicht oder nur verzögert auf Licht reagieren. Bei sekundären Entzündungen oder Blutungen können auch Rötungen, Trübungen oder eine verstärkte Tränenproduktion auftreten. In einigen Fällen ist bei direkter Betrachtung mit einer Lichtquelle ein abnormaler Reflex aus dem Augeninneren sichtbar.
Es ist wichtig zu beachten, dass eine Netzhautablösung in vielen Fällen schmerzfrei verläuft, weshalb die Tiere keine offensichtlichen Anzeichen von Unbehagen zeigen. Dies kann dazu führen, dass die Erkrankung erst spät erkannt wird, was die Prognose verschlechtert.
Diagnose
- Fundoskopie zur Untersuchung der Netzhaut
- Ultraschall des Auges, um die Ablösung zu bestätigen und die Ausdehnung zu beurteilen
- Bildgebende Verfahren wie OCT zur detaillierten Betrachtung der Netzhautstruktur
Ophthalmoskopie (direkt und indirekt): ist das klassische Standardverfahren zur Untersuchung des Augenhintergrunds. Bei Ablösungen ist häufig ein teils bis vollständig grauweißes, vorgewölbtes Areal erkennbar. Bei totaler Ablösung kann die Netzhaut wie ein „Segel“ oder „Schirm“ in den Glaskörper hineinragen.
Ultraschalluntersuchung (B-Bild-Sonografie): Ist die zentrale Untersuchungsmethode bei undurchsichtigen optischen Medien (z. B. bei Katarakt, Glaskörperblutungen), um eine Netzhautablösung indirekt zu beurteilen. Sie lässt sich gut einsetzen, um das Ausmaß und die Form (flach, bullös, totale Ablösung) der Netzhautablösung zu beurteilen.
Elektroretinografie (ERG): Sie dient der Funktionsprüfung der Netzhaut (insbesondere der Fotorezeptoren). Bei umfangreicher Ablösung beobachtet man stark herabgesetzte oder fehlende Reaktionen. Diese Untersuchungsmethode hilft, Prognoseentscheidungen zu treffen (z. B. darüber, ob eine Operation sinnvoll ist).
Optische Kohärenztomografie (OCT): Sie ist derzeit eine der modernsten Methoden zur hochauflösenden Darstellung retinaler Strukturen. Diese Untersuchungsmethode ist in spezialisierten Zentren für Veterinärophthalmologie zunehmend verfügbar. Sie ermöglicht die präzise Darstellung von Defekten, subretinalen Flüssigkeitsansammlungen sowie von Veränderungen einzelner Retinaschichten.
Therapie
- Chirurgische Eingriffe wie die Vitrektomie oder das Einführen eines Silikonöls oder Gases, um die Netzhaut wieder an ihren Platz zu bringen
- Lasertherapie oder Kryotherapie zur Reparatur von Netzhautrissen und zur Verhinderung weiterer Ablösungen
- Skleraplombe
- Behandlung der zugrunde liegenden Ursache der Ablösung
Konservative Therapie
- Blutdruckkontrolle: Insbesondere bei exsudativer und hypertensiver Netzhautablösung ist die Blutdruckregulation essenziell. Durch ACE-Hemmer, Angiotensin-II-Blocker oder andere blutdrucksenkende Medikamente kann die Flüssigkeitsansammlung reduziert werden.
- Therapie zugrunde liegender Erkrankungen: z. B. Nierenerkrankungen, Hyperthyreose (sehr selten beim Hund, häufiger bei der Katze), Hyperadrenokortizismus.
- Glukokortikoide oder andere entzündungshemmende Medikamente können bei immunvermittelten oder entzündlichen Ursachen angezeigt sein, z. B. bei Uveitis.
Chirurgische Therapie
- Vitrektomie mit Retinopexie (Laser- oder Kälteanwendung) zur Stabilisierung der Netzhaut.
- Silikonöl- oder Gas-Tamponade: Hält die Netzhaut im Anschluss an den Eingriff stabil in Anhaftung an das retinal-pigmentierte Epithel (RPE).
- Bei Traktionsablösungen kann das Bindegewebe operativ entfernt werden, um die Zugkräfte zu beseitigen.
Prognose und Nachsorge
Die Prognose bei einer Netzhautablösung hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter die Ursache, das Ausmaß und die Dauer der Ablösung sowie die Schnelligkeit der Behandlung. Grundsätzlich gilt: Je früher die Behandlung erfolgt, desto besser sind die Chancen auf Erhalt oder Wiederherstellung der Sehfunktion.
Bei exsudativen Ablösungen, die durch systemische Erkrankungen wie Hypertonie verursacht werden, ist die Prognose relativ gut, wenn die Grunderkrankung erfolgreich behandelt werden kann. Viele Tiere erlangen einen Teil ihrer Sehfähigkeit zurück, wenn der Blutdruck normalisiert wird und sich die Netzhaut wieder anlegt.
Bei rhegmatogenen oder traktiven Ablösungen ist die Prognose vorsichtiger zu beurteilen. Der Erfolg chirurgischer Eingriffe hängt stark vom Ausmaß der bereits eingetretenen Schädigung der Fotorezeptoren ab. Nach etwa 72 Stunden ohne Versorgung beginnen die Fotorezeptoren irreversibel abzusterben, was die funktionelle Erholung begrenzt.
Die Nachsorge nach einer Behandlung ist entscheidend für den langfristigen Erfolg. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen sind erforderlich, um den Heilungsverlauf zu überwachen und mögliche Komplikationen frühzeitig zu erkennen. Bei chirurgischen Eingriffen mit Gas- oder Öltamponaden sind spezielle Verhaltensregeln zu beachten, um die optimale Position der Tamponade sicherzustellen.
Die medikamentöse Nachsorge umfasst häufig entzündungshemmende und antibiotische Augentropfen sowie die fortgesetzte Behandlung der Grunderkrankungen. Bei Tieren mit dauerhaftem Sehverlust ist eine Anpassung der Umgebung wichtig, um ihnen eine sichere Orientierung zu ermöglichen.
Langfristig ist die regelmäßige Überwachung des Augeninnendrucks und des Augenhintergrunds wichtig, da Tiere mit einer Netzhautablösung ein erhöhtes Risiko für weitere Augenkomplikationen wie Glaukom oder erneute Ablösungen haben können.
Prävention
Die Vorbeugung einer Netzhautablösung zielt hauptsächlich auf die Kontrolle der Grunderkrankungen ab, die diese Ablösung auslösen können. Dazu gehören Bluthochdruck, schwere Entzündungen oder Verletzungen des Auges. Regelmäßige augenärztliche Untersuchungen, insbesondere bei genetisch vorbelasteten Rassen, sind entscheidend. Stöße oder Traumata am Kopf sollten vermieden werden, und Augenverletzungen sollten sofort tierärztlich versorgt werden. Bei älteren Hunden und Tieren mit systemischen Erkrankungen empfiehlt sich eine jährliche Blutdruckmessung. Eine ausgewogene Ernährung, die antioxidative Nährstoffe enthält, kann die Augengesundheit unterstützen. Frühzeitiges Erkennen von Sehproblemen ist der Schlüssel, um irreversiblen Sehverlust vorzubeugen.
Ausblick auf aktuelle Forschung
Die Forschung im Bereich der veterinärmedizinischen Ophthalmologie macht kontinuierlich Fortschritte, die sich auch auf die Diagnostik und Behandlung von Netzhautablösungen auswirken. Aktuelle Entwicklungen konzentrieren sich auf mehrere vielversprechende Bereiche.
In der Diagnostik werden zunehmend hochauflösende bildgebende Verfahren wie die spektrale optische Kohärenztomografie (SD-OCT) und die OCT-Angiografie eingesetzt. Diese Technologien ermöglichen eine detailliertere Darstellung der Netzhautstrukturen und der retinalen Durchblutung, was zu einer präziseren Diagnose und Therapieplanung führt. Künstliche Intelligenz wird zunehmend zur automatisierten Analyse dieser komplexen Bilddaten eingesetzt, was die Früherkennung von Netzhautveränderungen verbessern könnte.
Im Bereich der chirurgischen Therapie werden minimalinvasive Techniken weiterentwickelt, die das Auge weniger traumatisch belasten und kürzere Erholungszeiten ermöglichen. Neue Materialien für intraokuläre Tamponaden mit verbesserten Eigenschaften hinsichtlich Verträglichkeit und Wirkdauer werden erforscht. Auch die Entwicklung spezieller mikrochirurgischer Instrumente für die Veterinärophthalmologie schreitet voran.
Ein vielversprechendes Forschungsgebiet ist die regenerative Medizin. Stammzelltherapien zur Regeneration geschädigter Netzhautzellen befinden sich noch in der experimentellen Phase. Erste Studien an Labortieren zeigen, dass sich transplantierte retinale Vorläuferzellen in die Netzhaut integrieren und funktionelle Verbindungen herstellen können. Die Übertragung dieser Ansätze in die klinische Veterinärmedizin steht jedoch noch aus.
Auch pharmakologische Ansätze werden intensiv erforscht. Neuroprotektive Substanzen könnten das Überleben von Fotorezeptoren nach einer Netzhautablösung verlängern und damit das Zeitfenster für eine erfolgreiche Behandlung erweitern. Antiangiogene Faktoren werden zur Behandlung proliferativer Retinopathien untersucht, die zu traktiven Netzhautablösungen führen können.
Die genetische Forschung macht Fortschritte bei der Identifizierung von Risikogenen für erbliche Netzhauterkrankungen. Dies könnte in Zukunft zu gezielten Zuchtprogrammen und möglicherweise zu gentherapeutischen Ansätzen führen, um erbliche Formen der Netzhautablösung zu verhindern oder zu behandeln.
Die enge Zusammenarbeit zwischen Humanmedizin und Veterinärmedizin im Sinne des One-Health-Konzepts führt zu einem beschleunigten Wissenstransfer, von dem beide Seiten profitieren. Viele Behandlungsansätze aus der Humanophthalmologie werden für die Anwendung bei Tieren adaptiert und optimiert.
Häufig gestellte Fragen (FAQs)
1. Was ist eine Ablatio retinae (Netzhautablösung) beim Hund?
2. Woran erkenne ich eine mögliche Netzhautablösung bei meinem Hund?
3. Welche Ursachen können eine Ablatio retinae beim Hund auslösen?
4. Wie wird eine Netzhautablösung beim Hund diagnostiziert?
5. Gibt es Hunderassen, die besonders anfällig für eine Netzhautablösung sind?
6. Wie wird eine Netzhautablösung beim Hund behandelt?
7. Welche Prognose hat ein Hund mit Netzhautablösung?
8. Kann man einer Ablatio retinae beim Hund vorbeugen?
9. Welche Nachsorge ist nach einer Behandlung oder Operation wichtig?
10. Kann ein Hund mit (teilweisem) Sehverlust trotzdem ein gutes Leben führen?
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