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Härchen derber als Wimpern bei Katzen
Wann zum Tierarzt?
Beobachten Heimbehandlung
GELB wenn das Auge gereizt ist (Blinzeln), Tränenfluss besteht, die Hornhaut trüb wirkt oder deutliche Schmerzen erkennbar sind.
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Definition
Derbe oder ungewöhnlich steife Härchen im Bereich der Augenlider können bei Katzen auf eine Fehlstellung oder Fehlbildung von Wimpern, genauer gesagt wimpernähnlichen Haaren, hinweisen. Solche Härchen können die Bindehaut oder Hornhaut berühren und das Auge bei jedem Lidschlag reizen. Bei Katzen sind derartige Wimpernanomalien selten. Feine zusätzliche Härchen können vollkommen beschwerdefrei bleiben. Derbe oder ungünstig ausgerichtete Härchen verursachen dagegen eher Reizungen und können bei längerem Kontakt die Hornhaut schädigen.
Kann bei den folgenden Krankheiten auftreten:
Grundlagen und mögliche Ursachen
Eine mögliche Ursache ist eine Distichiasis. Dabei wachsen zusätzliche wimpernähnliche Haare aus oder unmittelbar neben den Öffnungen der Meibom-Drüsen am Lidrand. Diese sogenannten Distichien können sehr fein sein, aber auch relativ derb und steif ausgebildet sein. Bei ektopischen Zilien wächst ein abnormes Haar durch die Bindehaut an der Innenseite des Augenlids in Richtung Hornhaut. Da das Haar unmittelbar auf der empfindlichen Augenoberfläche reibt, können ektopische Zilien besonders schmerzhaft sein. Davon zu unterscheiden ist die Trichiasis. Hier entstehen keine zusätzlichen Wimpern; vielmehr sind normale Haare so ausgerichtet, dass sie die Hornhaut berühren. Auch Fehlstellungen der Augenlider, insbesondere ein nach innen eingerolltes Augenlid (Entropium), können dazu führen, dass Haare ständig über die Hornhaut reiben.
Typische Begleitsymptome
Nicht jedes zusätzliche oder derbe Härchen verursacht Beschwerden. Berührt es jedoch die Hornhaut oder die Bindehaut, können unter anderem folgende Veränderungen auftreten:
- verstärkter Tränenfluss
- häufiges Blinzeln oder Zusammenkneifen des Auges
- Reiben oder Kratzen am Auge
- Rötung der Bindehaut
- Augenschmerzen
- Lichtempfindlichkeit
- Augenausfluss
- Trübung der Hornhaut
- sichtbare Blutgefäße auf der Hornhaut
- Hornhautentzündung
- oberflächliche Hornhautverletzungen oder Hornhautgeschwüre
Wie stark die Beschwerden ausgeprägt sind, hängt unter anderem von Anzahl, Dicke, Steifigkeit und Lage der Haare sowie davon ab, ob sie tatsächlich Kontakt zur Hornhaut haben.
Wann zum Tierarzt?
Ein auffälliges Härchen am Lidrand ohne erkennbare Augenreizung ist in der Regel kein akuter Notfall. Es sollte dennoch bei einer tierärztlichen Untersuchung gezeigt werden.
Eine zeitnahe Untersuchung ist erforderlich, wenn die Katze das Auge zusammenkneift, häufig blinzelt, daran reibt oder wenn Tränenfluss, Rötung oder Ausfluss auftreten.
Dringend sollte die Katze untersucht werden, wenn das Auge deutlich schmerzhaft erscheint, die Hornhaut trüb wird, eine Verletzung erkennbar ist oder die Katze das Auge kaum noch öffnet. Hinter diesen Symptomen kann sich bereits eine Hornhauterosion oder ein Hornhautgeschwür verbergen.
Symptomerkennung für den Tierhalter und tierärztliches diagnostisches Vorgehen
Die Tierärztin oder der Tierarzt untersucht zunächst Augenlider, Lidrand, Bindehaut und Hornhaut. Sehr feine oder ungünstig gelegene Distichien und ektopische Zilien können mit bloßem Auge schwer zu erkennen sein. Eine Untersuchung mit Vergrößerung beziehungsweise einer Spaltlampe erleichtert die Beurteilung.
Besonders wichtig ist festzustellen, wo das auffällige Haar entspringt und ob es die Hornhaut berührt. Dadurch lassen sich Distichiasis, ektopische Zilien, Trichiasis und ein Entropium voneinander unterscheiden.
Mit einer Fluoreszeinfärbung kann überprüft werden, ob bereits ein Defekt oder Geschwür der Hornhaut vorliegt. Abhängig vom Befund können weitere Untersuchungen des Auges erforderlich sein.
Was kann der Tierhalter tun und professionelle Therapieoptionen
Beobachten Sie, ob Ihre Katze das betroffene Auge häufiger zukneift, daran reibt oder ob verstärkter Tränenfluss beziehungsweise Ausfluss auftritt.
Versuchen Sie nicht, ein auffälliges Haar selbst mit einer Pinzette zu entfernen. Dabei können Lidrand und Hornhaut verletzt werden. Außerdem kann ein lediglich ausgezupftes Haar erneut wachsen.
Auch Augentropfen oder Augensalben sollten nicht ohne tierärztliche Empfehlung angewendet werden. Insbesondere kortisonhaltige Augenpräparate können bei einem unerkannten Hornhautgeschwür problematisch sein.
Verhindern Sie möglichst, dass die Katze intensiv am Auge kratzt oder reibt, und lassen Sie ein schmerzhaftes oder sichtbar gereiztes Auge zeitnah untersuchen.
Was macht der Tierarzt?
Nicht jedes auffällige Haar muss entfernt werden. Feine Distichien, die die Augenoberfläche nicht reizen, können unter Umständen lediglich kontrolliert werden.
Verursacht ein Haar dagegen Schmerzen, chronische Reizung oder Hornhautschäden, muss die Ursache beseitigt werden. Einfaches Auszupfen kann kurzfristig helfen, ist jedoch häufig keine dauerhafte Lösung, weil das Haar nachwachsen kann.
Abhängig von Art und Lage der Wimpernanomalie kommen Verfahren infrage, bei denen nicht nur das Haar entfernt, sondern auch der zugehörige Haarfollikel dauerhaft ausgeschaltet beziehungsweise entfernt wird. Hierzu gehören beispielsweise Kryotherapie, Elektro-/Elektroepilation oder chirurgische Entfernung.
Ektopische Zilien werden in der Regel vollständig einschließlich des zugehörigen Follikels entfernt. Besteht gleichzeitig eine Hornhautverletzung, wird diese zusätzlich behandelt.
Bei ausgeprägten oder wiederkehrenden Veränderungen kann eine Untersuchung und Behandlung durch eine auf Augenheilkunde spezialisierte Tierärztin oder einen spezialisierten Tierarzt sinnvoll sein.
Ausblick auf aktuelle Forschung
Distichiasis und ektopische Zilien sind bei Katzen deutlich seltener beschrieben als bei Hunden. Entsprechend ist die wissenschaftliche Datenlage zu Häufigkeit, genetischen Faktoren und rassespezifischen Prädispositionen bei Katzen begrenzt.
Von besonderem Interesse ist die Frage, warum manche zusätzlichen Härchen vollkommen symptomlos bleiben, während andere erhebliche Hornhautreizungen verursachen. Neben der Position des Haares dürften insbesondere Dicke, Steifigkeit, Ausrichtung und Kontakt zur Hornhaut eine Rolle spielen.
Auch die langfristigen Ergebnisse verschiedener Behandlungsmethoden und das Risiko eines erneuten Haarwachstums sind Bereiche, in denen speziell für Katzen weitere Daten hilfreich wären.