Katzenhaarallergie – Was tun, wenn „keine Katze“ keine Option ist?

Etwa 15 % der Bevölkerung leiden an einer Allergie gegenüber Katzen. Streng genommen sind es nicht die Haare, sondern ein im Speichel, der Haut und in den Talgdrüsen der Katze gebildetes Antigen, das durch Putzen ins Fell und von da in die Umgebung der Katze gelangt.

Was kann man gegen eine Katzenhaarallergie tun?

  1. Allgemeine Hygiene-Maßnahmen: Lüften, feuchte Bodenreinigung, häufiges Waschen von Textilien, die in direkten Kontakt mit Katzen kommen.
  2. Luftreinigung mit modernen HEPA-Filtern (z. B. Intense Pure Air XL). Diese Filter reduzieren Milbenfragmente, Tierhautschuppen und Feinstaub in der Raumluft und können somit auch für von einer Hausstauballergie geplagte Hunde und Katzen unterstützend wirken (Atopische Dermatitis beim Hund, Feline Atopic Skin Syndrome (FASS) bei der Katze). Beim Menschen sank die Anzahl allergischer Reaktionen um ca. 30 %.
  3. Waschen der Katzen hilft, die allergene Belastung der Raumluft durch Katzen um ca. 80 % zu reduzieren, allerdings nur vorübergehend. Für einen länger anhaltenden Effekt müssten die Katzen wöchentlich mit Leitungswasser und Tiershampoo für mehrere Minuten gewaschen werden.
  4. Spezielles Katzenfutter (IgY-Diät) bindet das Hauptallergen bereits im Speichel der Katzen und reduzierte dadurch den Antigen-Gehalt im Fell um fast 50 %. Die Symptome gingen bei allergischen Katzeneltern nachweislich deutlich zurück. Das Futter ist gut verträglich, vorausgesetzt, dass bei der Katze keine Überempfindlichkeit gegen Ei-Proteine vorliegt. Im Handel: Purina Pro Plan® LiveClear®.
  5. HypoCat-Impfstoff (Saiba Animal Health, Boehringer Ingelheim): Die Impfung der Katze bewirkt, dass sie eigene Anti-Fel-d 1-Antikörper bildet und dadurch weniger Allergen mit dem Speichel abgibt. Nebenwirkungen dieser Impfung traten bei den Katzen nicht auf. In der Folge gingen die allergischen Reaktionen bei Katzeneltern deutlich zurück. Eine Marktzulassung liegt derzeit allerdings bis jetzt nicht vor.
  6. Zuchtselektion: Die Menge der von Katzen gebildeten Antigene ist individuell sehr unterschiedlich, was erklären könnte, warum manche Katzen(rassen) scheinbar weniger allergen wirken. Ganze Rassen, die wissenschaftlich begründet als hypoallergen eingestuft werden können, gibt es derzeit nicht. Mithilfe einer wirklichen Erbstoffanalyse (Genom-Editierung) könnten jedoch gezielt Katzen ausgewählt werden, die genetisch bedingt weniger Antigen bilden und zur Zucht genutzt werden. Die gezielte Zucht hypoallergener Katzen wäre ein vielversprechender Ansatz.
  7. Erbgutveränderung: Experimentell gelang es 2024, das Erbgut von Katzen mithilfe des „CRISPR-Cas9-Systems“ gezielt zu verändern und Katzen mit kaum noch messbarem Allergengehalt im Speichel zu züchten. Eine Marktreife der Methoden ist aus Kostengründen, aber auch aus ethischen und tierschutzrechtlichen Gründen nicht in Sicht.

Zusammengefasst: Was ist möglich?

  • Luftreiniger mit HEPA-Filtern, praktisch relevant
  • IgY-haltiges Katzenfutter, praktisch relevant
  • Regelmäßiges Waschen der Katzen, praktisch begrenzt machbar
  • Impfung der Katzen gegen das eigene Protein (Fel d 1), auf Studienniveau
  • Zuchtselektion, derzeit auf empirischer Ebene, bei gezielter Erbgutbestimmung vielversprechend
  • Genetische Modifikation der Katzen, derzeit rein experimentell mit wissenschaftlich und ethisch offenen Fragen

 

Quellen

  1. M. van den Heuvel: Katzenhaare: Gegen die Allergie ins Fel d ziehen. doccheck.com 2025
  2. Brément, T., Bensignor, E., Vidémont Drevon-Gaillot, E., Sanchez, M.-D., Pariente, S., & Viaud, S. (2025). A retrospective, multicentric controlled study of the effect of specific allergen immunotherapy on medication needs in cats with atopic skin syndrome. Veterinary Dermatology, 36(3), 332–342. https://doi.org/10.1111/vde.13333
  3. Drechsler, Y., Dong, C., Clark, D. E., & Kaur, G. (2024). Canine atopic dermatitis: Prevalence, impact, and management strategies. Veterinary Medicine: Research and Reports, 15, 15–29. https://doi.org/10.2147/VMRR.S412570

 

Tierart
Hund, Katze
Themenbereich
Allergisch bedingte Störungen und Asthma

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