Melanom der Aderhaut, Uveales oder Choroidales Melanom (Tumor am Auge von den pigmentierten Zellen der Aderhaut ausgehend) bei Hunden

Inhaltsverzeichnis öffnen

Wann zum Tierarzt?

Zeitnah innerhalb von 2-3 Tagen Tierarzt

?

Falls sich der Zustand verschlechtert / Symptome anhalten, zum Tierarzt.

Download/Drucken

Definition

Ein Melanom der Aderhaut, auch als uveales oder choroidales Melanom bezeichnet, ist ein seltener, aber potenziell bösartiger Tumor, der bei Hunden auftritt und sich aus den pigmentierten Zellen der Aderhaut des Auges entwickelt.

Das Wichtigste auf einen Blick

Das uveale oder choroidale Melanom ist ein seltener Tumor bei Hunden, der aus den pigmentierten Zellen der Aderhaut im Auge entsteht. Diese Zellen enthalten Melanin, das dem Auge Farbe verleiht und es vor schädlichem Licht schützt. Die genauen Ursachen sind nicht vollständig geklärt, jedoch könnten genetische Faktoren und möglicherweise Umweltfaktoren wie Sonnenexposition eine Rolle spielen. Symptome können Veränderungen der Irisfarbe, verzerrte Pupillen, Entzündungen, erhöhter Augeninnendruck und Sehbeeinträchtigungen umfassen. Zur Diagnose sind gründliche Untersuchungen durch einen Tierarzt notwendig, oft mithilfe von Ophthalmoskopie, Ultraschall, Biopsie und bildgebenden Verfahren wie MRT oder CT-Scans.

Die Behandlung hängt von der Tumorgröße und dem Stadium ab und kann chirurgische Entfernung, Strahlentherapie oder Lasertherapie umfassen. In fortgeschrittenen Fällen könnte eine Chemotherapie erforderlich sein. Die Prognose variiert je nach Tumorstadium und ob Metastasen vorliegen. Bei frühzeitiger Diagnose und Behandlung ist die Prognose günstiger. Regelmäßige Nachuntersuchungen sind wichtig, um ein Wiederauftreten oder eine Ausbreitung des Tumors zu überwachen.

Präventionsmaßnahmen sind begrenzt, da die Ursachen nicht vollständig verstanden sind. Regelmäßige tierärztliche Untersuchungen und möglicherweise der Schutz vor UV-Strahlung könnten helfen. Besitzer sollten auf Symptome achten, um frühzeitig handeln zu können.

Ursachen

Die Aderhaut ist ein Teil der mittleren Augenhaut, die als Uvea bekannt ist. Sie besteht aus pigmentierten Zellen, die Melanin enthalten, welches dem Auge seine Farbe verleiht und das Innere des Auges vor schädlichem Licht schützt. Diese Zellen können jedoch, ähnlich wie Hautzellen, entarten und zu einem Melanom werden. Bei Hunden ist das Auftreten eines Melanoms in der Aderhaut selten, aber die Erkrankung kann schwerwiegende Folgen haben.

Die genauen Ursachen für die Entwicklung eines uvealen Melanoms sind noch nicht vollständig verstanden. Es wird angenommen, dass genetische Faktoren eine Rolle spielen können, da bestimmte Hunderassen häufiger betroffen sind. Umweltfaktoren, wie übermäßige Sonnenexposition, könnten ebenfalls eine Rolle spielen, obwohl dies bei Hunden weniger klar ist als bei Menschen.

Bei der Entstehung eines Melanoms spielen Mutationen in den Zellen eine entscheidende Rolle. Diese genetischen Veränderungen können spontan auftreten oder durch externe Einflüsse verursacht werden. In der Forschung wird untersucht, ob bestimmte Gene oder genetische Marker bei Hunden mit einem erhöhten Risiko für diese Tumorart assoziiert sind.

Symptome

Ein frühes Anzeichen für ein Melanom der Aderhaut kann eine Veränderung in der Augenfarbe oder das Auftreten von dunklen Flecken auf der Iris sein. Diese Veränderungen sind oft subtil und können leicht übersehen werden.

Fortgeschrittenere Symptome können eine Schwellung des Auges, Rötung, Schmerzen oder Reizungen umfassen. Der Hund könnte beginnen, das betroffene Auge zu reiben oder zu blinzeln. In einigen Fällen kann es zu einem Sehverlust oder einer Verlagerung des Augapfels kommen.

Da diese Symptome auch bei anderen Augenkrankheiten auftreten können, ist es wichtig, bei Verdacht auf ein Melanom der Aderhaut eine tierärztliche Untersuchung in Anspruch zu nehmen.

Diagnose

Die Diagnose eines uvealen Melanoms erfordert eine gründliche Untersuchung durch einen Tierarzt, idealerweise einen, der auf Augenkrankheiten spezialisiert ist. Ein Ophthalmoskop kann verwendet werden, um das Innere des Auges zu inspizieren und nach Anzeichen eines Tumors zu suchen.

Zusätzliche diagnostische Tests können Ultraschalluntersuchungen des Auges umfassen, um die Größe und genaue Lage des Tumors zu bestimmen. Eine Biopsie kann ebenfalls durchgeführt werden, bei der eine kleine Probe des Tumorgewebes entnommen und mikroskopisch untersucht wird, um die Diagnose zu bestätigen.

Bildgebende Verfahren wie MRT oder CT-Scans können eingesetzt werden, um festzustellen, ob sich das Melanom auf andere Teile des Körpers ausgebreitet hat.

Therapie

Die Behandlung eines Melanoms der Aderhaut hängt von der Größe und dem Stadium des Tumors ab. In einigen Fällen kann eine chirurgische Entfernung des Tumors erforderlich sein. Dies könnte eine Enukleation (Entfernung des Auges) beinhalten, besonders wenn der Tumor sehr groß ist oder die Sehkraft bereits irreversibel geschädigt wurde.

Strahlentherapie kann bei kleineren Tumoren eingesetzt werden, um die Krebszellen zu zerstören, ohne das Auge entfernen zu müssen. Eine neuere Option ist die Verwendung von Lasertherapie, die gezielt auf den Tumor wirkt und das umliegende gesunde Gewebe schont.

In einigen Fällen kann eine Chemotherapie in Betracht gezogen werden, insbesondere wenn der Tumor metastasiert hat. Die Wahl der Behandlung hängt von vielen Faktoren ab, einschließlich der allgemeinen Gesundheit des Hundes und der Präferenzen des Besitzers.

Prognose und Nachsorge

Die Prognose für einen Hund mit einem Melanom der Aderhaut hängt von verschiedenen Faktoren ab, einschließlich der Größe und Lage des Tumors, ob der Tumor gestreut hat und wie früh er diagnostiziert wurde. Bei frühzeitiger Diagnose und Behandlung kann die Prognose positiv sein, besonders wenn der Tumor noch nicht metastasiert hat.

Jedoch, wenn der Tumor in andere Teile des Körpers gestreut hat, verschlechtert sich die Prognose erheblich. Regelmäßige Nachuntersuchungen sind wichtig, um ein Wiederauftreten des Tumors oder die Ausbreitung zu überwachen.

Die Lebensqualität des Hundes ist ein wichtiger Faktor, der bei der Entscheidung über die Behandlung berücksichtigt werden muss. Einige Behandlungen können erhebliche Nebenwirkungen haben, die das Wohlbefinden des Tieres beeinträchtigen könnten.

Prävention

Da die genauen Ursachen eines Melanoms der Aderhaut nicht vollständig verstanden sind, gibt es keine spezifischen Präventionsmaßnahmen. Eine allgemeine Gesundheitsvorsorge und regelmäßige tierärztliche Untersuchungen können jedoch helfen, Veränderungen im Auge frühzeitig zu erkennen.

Für Hunde, die viel Zeit im Freien verbringen, kann der Schutz der Augen vor übermäßiger UV-Strahlung sinnvoll sein, obwohl dies bei der Prävention von Augentumoren bei Hunden weniger erforscht ist. Sonnenbrillen für Hunde oder das Vermeiden von intensiver Sonneneinstrahlung könnten theoretisch das Risiko verringern.

Die Aufklärung der Besitzer über die möglichen Anzeichen eines Melanoms der Aderhaut ist ebenfalls wichtig, damit sie bei ersten Anzeichen von Veränderungen schnell handeln können.

Ausblick auf aktuelle Forschung

Das Melanom der Aderhaut gehört zu den uvealen Melanomen und ist bei Erwachsenen der häufigste primäre bösartige Tumor im Auge. Das Hauptproblem ist heute weniger die lokale Kontrolle im Auge als das Risiko späterer Metastasen, vor allem in der Leber. Genau deshalb richtet sich die aktuelle Forschung stark auf die Frage, welche Tumoren biologisch besonders gefährlich sind, auch wenn sie anfangs noch klein erscheinen. (eyewiki.org, pubmed.ncbi.nlm.nih.gov)

Ein zentrales Forschungsfeld ist die molekulare Risikoeinstufung. Bestimmte genetische Veränderungen, etwa in BAP1, SF3B1 oder EIF1AX, helfen dabei, das Metastasierungsrisiko genauer abzuschätzen. Ergänzend werden Genexpressionsprofile und zunehmend auch Liquid Biopsy untersucht, also Tumorinformationen aus Blutproben. Ziel ist, Hochrisikopatienten früher zu erkennen und die Nachsorge gezielter zu steuern. (pubmed.ncbi.nlm.nih.gov, nature.com)

Therapeutisch ist der Ausblick vorsichtig besser als noch vor wenigen Jahren. Für lokal begrenzte Tumoren sind Bestrahlung und andere augenerhaltende Verfahren etabliert; bei metastasierter Erkrankung war der Fortschritt lange gering. Inzwischen hat Tebentafusp bei einem Teil der Patienten mit metastasiertem uvealem Melanom einen wichtigen Fortschritt gebracht. Gleichzeitig laufen Studien zu Kombinationstherapien, neuen Immuntherapien und zielgerichteten Ansätzen gegen zentrale Signalwege des Tumors. (fda.gov, nature.com)

Insgesamt bewegt sich die Forschung klar in Richtung personalisierter Augenonkologie mit besserer Prognoseabschätzung und gezielterer Systemtherapie.

Häufig gestellte Fragen (FAQs)

1. Was ist ein Aderhautmelanom beim Hund?
Das Aderhautmelanom (uveales Melanom) ist ein Tumor, der von den pigmentierten Zellen der Aderhaut, der Iris oder dem Ziliarkörper ausgeht. Es ist der häufigste primäre Augentumor des Hundes. Der Tumor wächst meist langsam und hat beim Hund anders als beim Menschen häufig einen gutartigen Charakter.
2. Welche Symptome fallen auf?
Typisch sind dunkle Flecken oder Knoten auf der Iris, die über Wochen bis Monate größer werden. Weitere Anzeichen können eine unregelmäßige Pupillenform, Veränderungen der Augenfarbe, Sekundärglaukom, Uveitis oder eine Vorwölbung des Augapfels sein. Gelegentlich bemerken Besitzer auch eine Linsenverlagerung oder Blutungen im Auge.
3. Welche Hunde sind häufiger betroffen?
Prädisponiert sind mittelalte bis ältere Hunde, besonders Labrador Retriever, Golden Retriever und Deutscher Schäferhund. Es gibt keine klare Geschlechtspräferenz. Bei jüngeren Hunden ist der Tumor selten, kommt aber vor.
4. Wie wird die Diagnose gestellt?
Die augenärztliche Untersuchung mit Spaltlampe und Ophthalmoskopie zeigt den Tumor oft direkt. Zur Beurteilung der Ausdehnung werden Augenultraschall (B-Bild) und gegebenenfalls MRT oder CT eingesetzt. Eine gesicherte Diagnose gelingt letztlich durch die Histologie, meist nach Enukleation des Auges.
5. Ist das uveale Melanom bösartig?
Beim Hund ist die Mehrzahl der uvealen Melanome gutartig oder niedrigmaligne. Metastasen sind selten und betreffen am häufigsten die Leber. Entscheidend für die Prognose sind Mitoserate, Lokalisation (Ziliarkörper aggressiver als Iris) und Ausbreitung über die Augenhüllen hinaus.
6. Wie wird die Erkrankung behandelt?
Kleine, oberflächliche Iristumoren können mittels Laserfotokoagulation oder lokaler Resektion behandelt werden, ohne das Auge zu opfern. Bei fortgeschrittenen Tumoren, Sekundärglaukom oder starkem Wachstum ist die Enukleation (Entfernung des Augapfels) das Mittel der Wahl. Eine adjuvante Chemotherapie ist nur bei seltenen aggressiven Verlaufsformen nötig.
7. Verliert der Hund nach Enukleation viel an Lebensqualität?
Hunde kompensieren den Verlust eines Auges meist sehr gut und benötigen nur wenige Wochen Gewöhnungszeit. Ihr Sehvermögen auf der verbleibenden Seite und ihre anderen Sinne sind dafür sehr gut ausgebildet. Die Lebensqualität bleibt in aller Regel erhalten.
8. Wie hoch ist das Metastasierungsrisiko?
In Studien metastasieren bei Hunden rund fünf Prozent der uvealen Melanome, vor allem solche mit höherer Mitoserate oder extraokulärer Ausbreitung. Regelmäßige Nachsorge mit Ultraschall des Bauchraums und Röntgen des Thorax alle sechs Monate für zwei Jahre ist empfehlenswert.
9. Kann ein Aderhautmelanom spontan aufhören zu wachsen?
Sehr kleine Irismelanome wachsen gelegentlich über Jahre nicht weiter. Solange sie klein bleiben, keine Schmerzen verursachen und die Sehfähigkeit nicht beeinträchtigen, ist eine engmaschige Beobachtung mit regelmäßigen Kontrollen vertretbar. Sobald sie wachsen, ist eine Intervention angezeigt.
10. Wie unterscheidet sich das Aderhautmelanom vom Lidmelanom?
Aderhautmelanome gehen von Strukturen im Augeninneren aus und sind beim Hund überwiegend gutartig. Lidmelanome sitzen an der Lidhaut und sind ebenfalls meist gutartig. Orale und digitale Melanome des Hundes dagegen sind hochgradig bösartig und metastasieren häufig, ihre Prognose ist deutlich schlechter.

Literatur

  • Badanes, Z., Espinheira Gomes, F., & Ledbetter, E. C. (2020). Choroidal melanocytic tumors in dogs: A retrospective study. Veterinary Ophthalmology, 23(6), 987–993. https://doi.org/10.1111/vop.12839
  • Moreira, M. V. L., Langohr, I. M., Campos, M. R. de A., Ferreira, E., Carvalho, B., Blume, G. R., Montiani-Ferreira, F., & Ecco, R. (2022). Canine and feline uveal melanocytic tumours: Histologic and immunohistochemical characteristics of 32 cases. Veterinary Medicine and Science, 8(3), 1036–1048. https://doi.org/10.1002/vms3.752
  • Guerra Guimarães, T., Menezes Cardoso, K., Tralhão, P., Marto, C. M., Alexandre, N., Botelho, M. F., & Laranjo, M. (2021). Current therapeutics and future perspectives to ocular melanocytic neoplasms in dogs and cats. Bioengineering, 8(12), Article 225. https://doi.org/10.3390/bioengineering8120225
  • Giuliano, E. A., Chappell, R., Fischer, B., & Dubielzig, R. R. (1999). A matched observational study of canine survival with primary intraocular melanocytic neoplasia. Veterinary Ophthalmology, 2(3), 185–190. https://doi.org/10.1046/j.1463-5224.1999.00080.x
  • Dubielzig, R. R., Aguirre, G. D., Gross, S. L., & Diters, R. W. (1985). Choroidal melanomas in dogs. Veterinary Pathology, 22(6), 582–585. https://doi.org/10.1177/030098588502200612
  • Wilcock, B. P., & Peiffer, R. L. (1986). Morphology and behavior of primary ocular melanomas in 91 dogs. Veterinary Pathology, 23(4), 418–424. https://doi.org/10.1177/030098588602300411
  • Polton, G., Borrego, J. F., Clemente-Vicario, F., Clifford, C. A., Jagielski, D., Kessler, M., Kobayashi, T., Lanore, D., Queiroga, F. L., Rowe, A. T., Vajdovich, P., & Bergman, P. J. (2024). Melanoma of the dog and cat: Consensus and guidelines. Frontiers in Veterinary Science, 11, Article 1359426. https://doi.org/10.3389/fvets.2024.1359426